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Polizeiserver durch Emailflut lahm gelegt


22. 2. 2006

Die österreichischen Medien geben sich noch immer der Ausschlachtung der Drogenrazzien durch die italienischen Karabinieri und eines möglichen oder unmöglichen Dopingskandals während der olympischen Spiele hin.

Fast unbemerkt kämpfen die österreichischen Kollegen von Polizei und Gendarmerie an diesem Tag mit einem anderen Phänomen – den Tücken der elektronischen Kommunikation und dabei stellt sich dann aus Sicht einer Redaktion die Frage, ob es medial von Interesse ist wie sich ein Flächenbrand ausweitet bzw. hinaustragen lässt oder ob er doch eher in den eigenen Reihen verbleibt. Eine Kurzmeldung in der Kronenzeitung vom 22. Februar 2006:

Kronenzeitung vom 22.2.2006Neben einem Bericht über die Vorbereitung zum Opernball und einer „Tag für Tag“-Ansicht, war eben diese Meldung zu finden.

Thema: Schwerarbeit - Polizei versank im ganzen Land in E-Mail-Flut

Schon die Gestaltung der Headline lässt die Frage offen, ob man damit vermitteln wollte, dass Emails für Polizisten Schwerarbeit sind, doch wir wollen ja den medialen Kollegen keine böse Absicht unterstellen. Liest man weiter, bekommt man den Eindruck, dass die SP- und VP-Gewerkschafter der Polizei/Gendamerie an diesem Mittwoch nichts anderes zu tun gehabt hätten, als mit dem Aussenden von Vorstellungen zum Thema „Schwerarbeiter“ den ganzen digitalen Polizeiapparat zu zu müllen und das Ministerium in die verzweifelte Lage zu versetzen, keine gezielte Antwort weiterleiten zu können …

Medienmagazin ist der Frage nachgegangen, wie es zu so einer Spamflut kommen konnte bzw. was tatsächlich hinter dieser kleinen Meldung steckt. So konnten wir aus gut informierter Quelle folgendes in Erfahrung bringen:

Am 5. und 6. April werden die Gewerkschaftsvertreter neu gewählt. Wie bei jeder Wahl gibt es unterschiedliche Fraktionen, die sich eben dieser Wahl stellen und naturgemäß findet im Vorfeld der übliche Wahlkampf statt, dem diese ganze Aktion zuzuordnen ist.

Bis zum Jahr 2000 wurden Polizei und Gendarmerie sinnvoller weise aus dem politischen Alltag und den Medien herausgehalten. Das hat sich mit der Regierungsumbildung geändert. Weiters wurden mit 1. Juli 2005 Polizei und Gendarmerie aus verschiedensten Gründen zusammengelegt. Diese Tatsache allein sorgt unter den Kollegen schon für Unmut, weil unterschiedliche Systeme entwicklungsbedingt dahinter stecken und sich anscheinend mehr Rivalitäten als Gemeinsamkeiten finden lassen. So hat sich die Polizei aus der Stadtpolizei entwickelt, die immer „die Behörde“ hinter sich hatte. Das heißt, es wurden Anweisungen der Behörde exekutiert, was sicherlich zum Teil auch Rückendeckung gab. Die Gendarmerie hat da eine eigenständigere Entwicklung hinter sich. Beides schlägt sich offensichtlich in Verhalten und Sprachgebrauch nieder – doch das nur nebenbei.

2000 wurde dann erstmal seit dem Krieg die gewerkschaftliche Vertretung in „rot“ (Fraktion sozialistischer Gewerkschafter) bestellt. Das wohl auch als Reaktion auf Regierungsumbildung und Ministerwahl.

Jetzt steht die nächste Wahl an und in Zeiten wie diesen wird genauso das digitale Medium für den Wahlkampf bemüht und so erging am 20.2.2006 um 13:28 Uhr (und nicht wie berichtet am 22.2.) folgendes Mail per Mailverteiler an alle Polizei- und Gendarmeriedienstellen:


Mail vom Gewerkschaftsvorsitzenden
Der Verfasser war bis zur letzten Wahl der Zentralausschuss-vorsitzende der Gewerkschaft der Gendarmerie. Dieses Mail war der Beginn der Mail-Lawine, die infolge die österreichweiten Exekutivbeamten und das Ministerium überrollte. Ob bewusst oder unbewusst scheint die Technik der internen Mailingliste so eingestellt gewesen zu sein, dass mit jeder einzelnen Antwort eines Kollegen, der komplette Apparat beglückt wurde.
Nur - versehentlich kann so etwas nicht passieren, wie uns ein Techniker erklärte.

Aussage eines InternettechnikersDie einzige weitere mögliche Erklärung wäre, dass jeder der antwortenden Kollegen statt auf „Antworten“ auf „Allen Antworten“ gedrückt hätte. Geht man jetzt von der Prämisse aus, dass unsere Exekutivbeamten auch im Umgang mit den digitalen Medien nicht unbeleckt sind, stellt sich die Frage – wieso diese Flut? Gehen wir weiters von einer bewusst falschen Verwendung des „Outlook“-Programmes aus, sollte die digitale Meinungsäußerung den betroffenen Chefetagen zu denken geben. Egal welche Ursache: eine Unmutsäußerung par excellance – eine Absage an das Hickhack in Gewerkschaft wie Politik. Und eine Absage des „kleinen“ Mann an Verordnungen vom grünen Tisch, die zum Teil jeder praktische Erfahrung bzw. Umsetzbarkeit entbehren.

Genau dieses Hickhack in den eigenen Reihen, die Uneinigkeit und das medial vermittelte Bild birgt ein hohes Risiko für unsere Gesellschaft. Es kann nicht angehen, dass Polizeibeamte als Figuren in eigenartigen Werbespots „Verwendung“ finden oder in unterschiedlichsten Reportagen ein Bild von Trottel bis Rambo kolportiert wird. Die Gefahr besteht in dem zunehmenden „Wurschtigkeitsgefühl“ jedes einzelnen Dienst tuenden Beamten – die Dienstzeit wird verstärkt einfach abgespult.

Wie von einem Klon oder Roboter – menschlich verständlich. Doch nimmt diese Schar an seelenlosen Robotern zu, wird eben diese Schar immer leichter lenk- und steuerbar. Vorgangsweise, Umsetzung und Auswirkungen hat der letzte Weltkrieg deutlich gemacht und sollte noch in Erinnerung sein. Auch die Rolle der Medien ist bekannt und sollte nach wie vor als Warnung dienen, bzw. als Anstoß sich im Klaren zu sein, wie schnell Medien geworden sind und welche Macht sie haben.

… und sei es, dass sie den Polizeiserver einen ganzen Tag lang lahm legen.

Original-Antwort eines Revierinspektor

Dieses Statement aus der Mailflut sollte deutlich machen, wie es um die Menschen hinter einer lapidaren, wenig spektakulären Pressemeldung bestellt ist. Der Medienkonsument ist gefordert, sich selbst ein Bild zu machen und sich die Frage zu beantworten, welche Medien welche Perspektive mit welchem Hintergrund und –gedanken vertreten und so Ordnung in seine mediale Umwelt bringen.
Innerhalb der Struktur der Exekutive wurde „aus gegebenem Anlass“ versucht per Wiederverlautbarung des Kommunikationserlasses einen weiteren Serverstillstand vorzubeugen. Für unsere Redaktion eine weitere traurige Bestätigung der Ursache der medialen Unmutsäußerung – wir hätten den Kollegen das Wissen um den Umgang mit dem Outlook-Programm zugestanden.

Kommunikationserlass Faksimile / Teil des Original-Wiedererlasses

 

 

 

Der einzige Vorteil – Raum und Zeit spielen scheinbar keine Rolle und das Blatt kann sich auch wieder wenden.

Kommunikationserlass Faksimile / Teilauszug des Original-Wiedererlasses











zur Erinnerung: der Vorfall war am 21. Februar

 

 

 


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