Der Titel
ist Programm.
Unser Täglich Brot - Wo kommt es her? Wer und wie wird es hergestellt?
Morgan
Spurlock hat uns in Super-size Me auf bizarre,
überzogene Weise die Auswirkungen von Fast-Food-Ernährung gezeigt
und damit die Diskussion um gesunde Essen angeheizt. Plakativ; ein
überdimensionales
"Fressen",
dass einem der Bissen im Hals stecken bleibt. Trotzdem bleibt die Frage
der nachhaltigen Wirkung.
Komplett
anders "Unser Täglich Brot" -
Nikolaus Geyrhalter nähert sich dem Thema "Ernährung" in
ganz anderer Weise und aus einem anderen Blickwinkel. Es ist die Nahrungsmittelproduktion,
die hier im Mittelpunkt steht. Eine Produktion, die in
einer Aneinanderreihung von Bildern und Sequenzen dokumentiert.
Der Film kommt ohne Spezialeffekte, ohne Sprache und ohne Musikdesign
aus. Die Schnittfolge ist langsam, der O-Ton gibt die Umweltsituation
in den Betrieben wieder; es gibt keine "Action", kein tierisches
Gemetzel in den Schlachtbetrieben. Im
Grunde ein Film, der leicht zu produzieren ist - so könnte man
als Blockbuster-geeichter Filmkritiker zur Überzeugung kommen.
Doch
genau das ist es, was diesen Film von anderen unterscheidet. Die gewählte
epische Erzählform, die uns als Betrachter in meist Totalaufnahmen
(mit einigen halbnahen Einstellungen) eine Maschinerie aus einer Distanz
zeigt, die uns verunsichert - Ist das jetzt real? Ist das Utopie?
Genial
gestaltete Bilder geben Raum für Betrachtung.
Nicht ein Blutbad oder übermäßige Action ziehen den
Betrachter in den Bann - nein: Ruhe, langsames Tempo, detailreiche
Bilder geben
Raum und
Zeit sich mit dem eigenen Geist und den auftauchenden Fragen auseinanderzusetzen.
Sie "schleichen" sich auf geniale Weise in den Kopf, sind geankert
und
tauchen immer wieder in unterschiedlichsten Situationen auf, regen
auch nachher immer wieder zum Nachdenken an.
Wer
profitiert von solch einer entmenschlichten Maschinerie, die doch für
Menschen produziert? Welchen Stellenwert haben Menschen in einem von
Menschen geschaffenen System? Nahrung - egal ob pflanzlich oder tierisch
- als Produkt? Sinnerfüllung in der Arbeitswelt?
Die
Frage: Unser Täglich Brot - Worum bitten wir? ... und was wird uns
gegeben?
Die
Bilder sind durch ihre Neutralität
Basis für eigene Betrachtungen und Überlegungen - neutrale, distanzierte
Basis, die im Gegensatz zu Super-Size Me auch neutral bleibt,
nicht manipuliert.
Der
Film ist ab 10 Jahren freigegeben.
Empfehlenswert für den Besuch im Rahmen des Schulunterrichts, weil er
Anlass zur weiteren Arbeit mit unterschiedlichsten Themen und Fragen
ist. Wie zum Beispiel:
-
Was
nehmen wir tagtäglich zu uns - wie verändert diese utopisch anmutende
Produktionsweise und die hergestellten Produkte unsere eigene Energie,
unser System, unsere Arbeitswelt, etc.?
-
Unterschiede
der Realität von Werbung und tatsächlicher Produktion.
-
Unterschiede
im Bild vom Traumjob, der bei vielen durch die diversen
Casting-Shows massiv geprägt ist, zur realen Arbeitswelt, in
der es zum Teil nur mehr um "Fressen und Gefressen werden" bzw. das
einfache Überleben
geht.
-
Unterschiede
vom Weltbild der Wegwerfgesellschaft, in der alles im Überfluss vorhanden
ist, zur tatsächlichen Produktionsweise.
-
Unterschiede
von der propagierten Wertigkeit des Menschen zu seinem tatsächlichen
Stellenwert.
- und viele
mehr.
Zu den
Schulvorführungen wird ein Filmheft mit Tipps zur Arbeit mit dem Film
angeboten.
"UNSER
TÄGLICH
BROT ist ein Bildermahl im Breitwandformat,
das
nicht immer leicht verdaulich ist - und an dem wir alle Anteil
haben."
Quelle www.unsertaeglichbrot.at
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