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Spiele Leben



"So begreift der absurde Mensch, dass er in Wirklichkeit gar nicht frei ist. Um es deutlich auszusprechen: Je mehr ich hoffe, je mehr ich mich von einer mir gehörigen Wahrheit, von einer Art, zu sein oder zu schaffen, beunruhigen lasse, je mehr ich schließlich mein Leben ordne und dadurch beweise, dass ich ihm einen Sinn unterstelle, um so mehr Schranken schaffe ich mir, in die ich mein Leben einzwänge." (Albert Camus "Der Mythos von Sisyphos")

Wo beginnt Wahn - wo Sinn?
Kurt - Spiele LebenDer "Held" - Kurt, ein manischer Systemspieler. Meist ohne Glück und ständig auf der Suche danach, um seine Schulden abdecken zu können. Der Film hantelt sich von einem Zeit-Punkt zum nächsten. Kurt verspielt seine Beziehung zu Manu, die sein letzter Rettungsanker war. Der Zeitpunkt ab dem er einem Würfel sein komplettes Leben unterstellt.

Tanja - Spiele LebenDas System - eine Entscheidungsfrage, sechs Antwortmöglichkeiten und der Würfel als Entscheidungsträger. Genau dieses System behält Kurt ab sofort bei - jede anstehende Entscheidung trifft der Würfel. So erwürfelt er sich einen Job, eine neue Freundin (Tanja), Gewinne ...
Mit Tanja und Franz tourt er nach Znaim, räumt satte Gewinne ab und steht letztendlich wieder vor dem Nichts, da sich Franz nicht ebenso in diesen manischen Fatalismus hineinfallen lassen kann und mit dem gesamten Gewinn abhaut.

Der Punkt an dem die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Kurt und Tanja beginnt. Und wieder unterstellen sie alles dem Würfel. Solange, bis sich durch das Gefühl zu einander Widerstand regt. Der Wendepunkt - wie in Lola rennt, werden die sechs Möglichkeiten ausgebreitet. Für den Zuschauer nicht gleich erkennbar, gibt es mit der Situation des Eintreffens an einer Tankstelle, wo es gilt, selbst eine Entscheidung zu treffen, den letzten Zeit-Punkt.


Franz - Spiele LebenDer Film erinnert an einen Koitus Interruptus - die Spannung und Verwirrung wird aufgebaut und dann ohne Vollendung aprupt beendet. Man könnte ihn als "Vorspann zum Film des Lebens" bezeichnen - die Situation ist geklärt, die handelnden Personen und der Schauplatz sind etabliert. Jetzt kann der eigentlich Film beginnen - in diesem Fall die Entscheidung selbst zu entscheiden oder sich weiterhin gegen eigene Gefühle einem Höheren zu unterwerfen.

Der angesprochene Fatalismus und die Unterordnung unter eine höhere Macht ist für Kurt insofern greifbar, als er für sich erkennt "dass Gott auch würfelt".

Ein Film, der sicherlich in vielerlei Sicht zum Nachdenken und Diskutieren anregt - Fatalismus, sich einem höheren System unterordnen, Drogen- und Spielsucht. Erschreckend realistisch für Jugendliche als Offenlegung, da sie einerseits die Losgelöstheit , andererseits dieses Gefühl "das kanns nicht gewesen sein", die Sucht und die Suche erleben können.

Einziger Lacher des Publikums - der Vater, der als Zeuge Jehovas ständig betend und als Spinner, für eine vermeintliche Abtreibung einer Satansbrut, das Geld für die nächste, tatsächliche Casino-Tour liefert. Eine Darstellung, die zwar dem landläufig netten, betenden und doch leicht übertriebenen religiösen Klischee, aber nicht der Realität entspricht. Würde man sich die Mühe machen, hinter diese Kulissen zu blicken, gäbe es als siebente Möglichkeit den zu sehen, der dort tatsächlich würfelt - aber das wäre ein neuer Film.

 

Kinostart: 16.01.2006

Film: Coop 99 , Triluna Film AG / Filmwebsite
copyright Fotos by Coop 99/Triluna Film AG


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