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An Tagen wie diesen - Fettes Brot


 

Eben noch hat sich "Emanuela" in unsere Ohren und Gehirnwindungen gebohrt und uns schier in den sommerlichen Wahnsinn getrieben, da werden eben jene Windungen mit einer ruhigen, fast einlullenden Melodie besänftigt. Im aktuellen Jargon als "einfach geil", "hammermäßig", "coole mukke" oder ähnlich bezeichnet, wird der harte Inhalt auf einer weichen Welle ins Gehirn geschleust und regt zum Denken an.

Fettes Brot haben scheinbar genau den Nerv oder, besser gesagt, das Gefühl der Jugend getroffen - einer Jugend, der man nachsagt, dass sie zusehends verroht, sich nur mehr dem egoistischen "Ich-will" hingibt und über Leichen geht, um auf sich aufmerksam zu machen. Wertet man die Akzeptanz des Songs und zieht Rückschlüsse auf die Käufer, so kommt man zum Resultat, dass doch mehr in den Jungen zu finden sein muss und welcher (medialen) Realität sie tatsächlich ausgesetzt sind:

"Eine Million bedroht vom Hungertod nach Schätzung der UNICEF
während ich grad gesundes Obst zerhäcksel in der Mulinex
seh´ein Kind in dessen traurigen Augen ´ne Fliege sitzt
weiß, dass das echt grausam ist, doch Scheiße, Mann, ich fühle nix!
Was ist denn bloß los mit mir, verdammt, wie ist das möglich?
Vielleicht hab ich´s schon zu oft gesehen, man sieht´s ja beinah täglich"

Der Song als Situationsbild und Kritik an Medien zeugt davon, wie allein gelassen und überfordert sich Menschen in der Medienwelt fühlen - speziell unsere Nachkommen. Nicht ein plakatives "Ach, wie arm wir doch sind. Ihr seid die Bösen, die uns allein lassen.", sondern ein Gefühl der unbegreifbaren Leere wird vermittelt. Es gibt Fragen, viele Fragen - aber es gibt kaum Antworten, weil die Elterngeneration genauso ratlos ist und versucht sich Rat bei diversen Super-Nannys zu holen, um ihre Sprößlinge begleiten zu können.

"Absolute Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio,
die Sonne lacht so schadenfroh
an Tagen wie diesen.
Niemand, der mir sagt, wieso
beim Frühstück und beim Abendbrot,
die Fragen bohren so gnadenlos
an Tagen wie diesen
."

"Ich werd´die Bilder nicht mehr los

beim Frühstück und beim Abendbrot"

Die Frage, die sich Medienmacher stellen sollten: Ob denn immer alles gezeigt werden muss oder man sich doch einer anderen Ethik und Darstellungsform bedienen kann? Es ist ein Teufelskreis zu glauben, man könne nur auf Quote produzieren bzw. man müsse konsumieren, was einem vorgesetzt wird. Wenn dem tatsächlich so ist, ist wohl der große Plan dahinter, eine hirnlose, steuerbare Herde von Schafen zu generieren, die dem ausgeliefert ist, was der Schäfer für sie bestimmt.
Es wird Zeit aus dem Albtraum "virtueller Lebensraum" zu erwachen und die Menschen auf dem Gang in die Realität von Gefühlen und Ängsten mit Menschlichkeit zu begleiten. Musiker wie Fettes Brot artikulieren Realitäten, zeigen Ängste und Gefühle auf. Wünschenswert, wenn diese Worte nicht nur Ausdruck sind, sondern Eindruck hinterlassen und die Masse derer, die Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen, steigt und das Muster des Ausgeliefert-Seins gänzlich aus den Köpfen verschwindet.

"Dann kommt es vor, dass ich Angst davor krieg, dass uns etwas geschieht,
dass man den verliert, den man liebt, dass es das wirklich gibt"

 

 

Foto: CD-Cover Quelle www.fettesbrot.de


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